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11. September: Hat er alles verändert? Analyse

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Einer der besten Augenzeugenberichte der Anschläge vom 11. September ist ein kurzer Essay mit dem Titel "Tagebuch der Katastrophe" von Nicholas Spangler, der damals 25-jähriger Journalistikstudent war und heute Reporter bei Newsday auf Long Island ist. Spangler war an jenem Morgen in Downtown, nah genug am World Trade Center, um zwischen dem ersten und zweiten Flugzeug einzutreffen.

Er hörte, wie die Körper der Springer auf den Bürgersteig aufschlugen, und die Easy-Listening-Musik aus den Lautsprechern der Türme. Unter einem Baum lag ein abgetrenntes Bein, in Jute gewickelt. Eine Stunde nach dem Einsturz des zweiten Turms baten Zuschauer ihn, ein Souvenierfoto mit einer Einwegkamera zu machen.

Tage später schrieb er, dass "unsere gegenwärtige Lebensweise endete" und der amerikanische Ethos zerbrochen sei. Drei Monate später revidierte er seine Sicht: "Unsere Lebensweise endete nicht so sehr, als dass sie unterbrochen wurde", und falls ein amerikanischer Ethos existiert, wurde er nicht signifikant verändert. Die meisten werden weiterhin von banalen Ereignissen geprägt.

Jahrelang, worüber man sich kaum einig war, sagten viele, der 11. September habe alles verändert. Das infrage zu stellen, galt als Affront gegen Opfer und Kriegsopfer.

Ein Vierteljahrhundert später ist kritische Distanz möglich. Vieles unserer Realität rührt vom 11. September her: Überwachungstechnologie, offene Militäroperationen und gepanzerter Alltag.

Doch sein Einfluss ist nicht singulär — er ist ein mittleres Kapitel der amerikanischen Spaltung, nicht der pyrotechnische Anfang. Die Vor-9/11-Ära war nervöser als erinnert, sowohl Links als auch Rechts ruhelos mitten im "Ende der Geschichte". Retrospektive Sichtweisen werden von fassungslosen TV-Anchor geprägt, die die Angriffe in Echtzeit erzählten.