Schriftsteller, Künstler und Musiker sind in den Streik getreten und haben offene Briefe gegen KI unterzeichnet, und Urheberrechtsklagen von Verbänden der Kreativwirtschaft haben sich vervielfacht. In allen kreativen Bereichen gibt es ein abgestimmtes Bestreben, diese Technologie abzulehnen. Dennoch sind viele erfahrene Programmierer weiterhin überzeugt, dass der Einsatz von KI beim Programmieren in Ordnung ist, auch wenn sie zugeben, dass sie ihr Leben unglücklich macht und ihre Branche verändert.
Eine verbreitete Begründung lautet, Programmieren sei keine Kunst. Wenn das Werkzeug die Aufgabe erledigt und die Aufgabe rein funktional ist, warum sollte es dann eine Rolle spielen? Der Autor hält dagegen, dass es eine Rolle spielt, weil Programmieren Kunst ist. Die Behauptung, Programme könnten keine Kunst sein, beruht auf einem verzerrten Verständnis von Kunst, das John Berger in seinem Buch „Ways of Seeing“ als Mystifizierung bezeichnet. Berger zeigt, wie die blumige Sprache eines Kunsthistorikers über ein in Auftrag gegebenes Gruppenporträt seine profanen Ursprünge verbirgt: Ein armer alter Maler brauchte Arbeit, und einige Amtsträger wollten ein offizielles Porträt. Das Gemälde ist gut ausgeführt und schön, wurde aber für einen ziemlich alltäglichen Zweck geschaffen und war nie eine göttliche Reliquie.
Die Kultur neigt dazu, Malerei, Skulptur, Film und Musik zu mystifizieren, indem sie deren funktionale Aspekte ignoriert und sich auf die emotionale Wirkung konzentriert. Dieselbe Verzerrung zeigt sich im Umgang mit Arbeit. Romanautoren werden mystifiziert, während Journalisten und Texter geringgeschätzt werden, obwohl sich ihre Fähigkeiten überschneiden und viele berühmte Schriftsteller in beiden Rollen gearbeitet haben. Beruflich mit Worten zu arbeiten, auch mit alltäglichen, ist gute Übung für eine rein künstlerische Tätigkeit, denn auch alltägliche Kreativität bleibt künstlerisch.
Der Autor, der sich als Jugendlicher selbst „Code-Poet“ nannte, überträgt diese Sicht auf Software. Code kann schön sein, und seine Entstehung verdient Respekt als qualifizierte kreative Arbeit, nicht mystische Verehrung und auch nicht Geringschätzung als bloße Funktion.
Quelle: Hacker News · Zusammengefasst von HeadlinesBriefing