Ein aktuelles praktisches Experiment mit RFC8950 zeigt, wie IPv4 ohne Tunnel über ein reines IPv6-Netz geroutet werden kann. Der Standard erweitert Multi-Protocol BGP, sodass IPv4-Routen IPv6-Next-Hops transportieren können. Nur die Control Plane ändert sich: Der Routenaustausch und die Nachbarerkennung erfolgen über IPv6 per NDP, während IPv4-Pakete weiterhin als natives IPv4 in Ethernet-Frames übertragen werden.
Der Autor hebt mehrere praktische Einsatzmöglichkeiten hervor. Ein großes Netz könnte im Kern ausschließlich IPv6 betreiben und IPv4 an den Rändern beibehalten, ohne dass Kunden etwas ändern müssen. Ein IP-Transit-Backbone könnte IPv4-Routen über IPv6-Sessions mit Kunden, Peers und Upstream-Providern austauschen und so viel IPv4-Schnittstellen-, BGP- und Firewall-Konfiguration einsparen. Internet-Exchange-Punkte könnten IPv4-Dienste ebenfalls über ein einziges reines IPv6-LAN und einen Route Server anbieten, ähnlich wie 464XLAT es für Mobilfunknetze tat.
Die Unterstützung ist bereits breit. Juniper Junos, Cisco IOS XR, Nokia SR OS, MikroTik, Huawei, BIRD und FRR implementieren die Funktion, daher ist sie in aktuellen Softwareversionen sehr wahrscheinlich verfügbar.
Das mit Containerlab und dem Open-Source-Router FRR aufgebaute Demo-Labor verbindet zwei Kundenrouter über drei Provider-Router. Der Kern läuft ausschließlich mit IPv6, während der zweite Kunde eine reine IPv4-Unternehmensverbindung nutzt. Beide Kunden können dennoch ohne Tunnel über den IPv6-Kern miteinander kommunizieren.
Quelle: Hacker News · Zusammengefasst von HeadlinesBriefing